Die kuriose Welt der Online-Unternehmer:innen

Die kuriose Welt der Online-Unternehmer:innen

Das Online-Business und speziell Social Media ist für viele Fluch und Segen zugleich. 

Auf der einen Seite bietet uns die Online-Welt unbegrenzte Möglichkeiten, um mit wenig finanziellem Einsatz viel zu erreichen. 
Auf der anderen Seite sind aber genau diese vielen Optionen das, was nach einer gewissen Zeit zur totalen Überforderung führen kann.

Konsumieren bis zum Umfallen

Es ist ja auch wirklich nicht leicht. Grade als Solopreneur bist du plötzlich Chef:in, Redaktion, Marketing-Abteilung, Buchhalter:in und vieles andere in einer Person. Und da uns so viel Wissen rund um diese Themen kostenfrei zugänglich gemacht wird, nehmen wir doch erstmal alles mit was wir kriegen können. Warum denn auch nicht?!

Wir konsumieren also was das Zeug hält, glauben dass wir X brauchen um Y machen zu können, besuchen ein Webinar nach dem anderen und laden uns diverse Freebies herunter, um sie (oft ungesehen) zu den anderen zu legen.

Wir geraten ohne es zu merken in einen Strudel von. Aussagen wie "du musst E-Mail Adressen sammeln", "du musst einen Online-Kurs starten", "du musst passives Einkommen generieren", "du brauchst einen Coach", "du musst wöchentlich live gehen und Blogartikel schreiben"....
 
Du musst, du musst, du musst...!

Die ersten Zweifel

Wir versuchen also erstmal alles an Infos, Tipps und Tools mitzunehmen. Wirklich umgesetzt und langfristig integriert wird allerdings eher wenig. Hier setzt oft schon die Überforderung ein. So viele Meinungen, so vieles das ich scheinbar erst brauche, lernen und können muss um zu starten. So viele Möglichkeiten, Tools und Strategien... Aber was brauch ich denn nun wirklich?

Wir versuchen Dinge umzusetzen und scheitern... Vielleicht mehrfach... Die ersten Zweifel setzen ein:
"Bin ich vielleicht einfach nicht für das hier gemacht?" "Ist das doch nicht mein Ding?"

Wir stellen unsere Fähigkeiten in Frage, weil die Dinge bei uns nicht so zu funktionieren scheinen, wie bei allen anderen. 

Aber war es nicht genau das, was wir nicht mehr wollten als wir uns für die Selbstständigkeit entschieden haben? 
Jemand der uns vorgibt, wie wir zu arbeiten haben, uns in eine Schablone pressen zu lassen und vorgegebene Dinge blind zu übernehmen und umzusetzen?

"Ich muss E-Mail Adressen sammeln"

Viel zu oft begegnen mir noch Kund:innen, die ganz euphorisch bestimmte Tools in ihrem Business umgesetzt haben möchten.
Egal ob "E-Mail-Marketing", "Podcast", "SEO-Optimierungen", "die erste virtuelle Assistentin" oder die nächsten Social Media Kanäle...
 
Sie scheinen sich sicher zu sein, dass es genau DAS ist was sie brauchen, um endlich erfolgreich zu sein.
Schließlich hat das ja Coach XY gesagt. Und außerdem ist Expertin XY genau damit ja sehr erfolgreich.

Diese Gespräche sind für meine Kund:innen oft erstmal eher ernüchternd. Ich brauche im Grunde nur nach dem "Warum" zu fragen... warum sie/er meint, genau dieses Element zu "brauchen" - also wozu es beispielsweise langfristig dienen soll, was es ihr bringen wird, wie sie es sich genau vorstellt...  

In vielen Fällen stellt sich dann heraus, dass sie noch gar nicht verstanden haben, was z.B. E-Mail Marketing eigentlich genau ist, dass SEO mehr ist als ein paar Schlagworte an der richtigen Stelle zu hinterlegen und dass eine virtuelle Assistenz keinen Sinn macht, wenn es noch keine klaren Arbeitsprozesse gibt, in die sie überhaupt eingearbeitet werden könnte. 

Online-Business starten leicht gemacht

Warum lassen wir uns so schnell von diesem Strudel mitreißen und machen uns diesen endlosen Druck? 

Der wahrscheinlich größte Unterschied zwischen dem Start eines Online- und eines Offline-Unternehmers ist wohl der finanzielle Aspekt. 
Ein lokaler Unternehmer würde sich wohl kaum in die Selbstständigkeit trauen, ohne ein gewisses Startkapital. Dieses braucht er in der Regel für Miete, Geräte, Personal, aber vor allem als "Puffer", für die ersten umsatzarmen Jahre. 

Als Online-Unternehmer/in haben wir viele dieser finanziellen Belastungen grade am Anfang nicht. Um zu starten, brauchen wir oftmals nicht mehr als einen PC und Internetzugang. Das ist großartig und natürlich ein enormer Vorteil.

Was die meisten von uns dabei aber nicht kalkulieren, ist die umsatzfreie Zeit die es braucht, um das Ganze langsam und kontinuierlich aufzubauen, in die Sichtbarkeit zu gelangen und die ersten Kunden zu erreichen. 

Der Goldfisch im Haifischbecken

Wir haben also den Anspruch, relativ schnell in den Umsatz zu kommen. 

Mit dem finanziellen Druck auf der einen und der anfänglichen Unwissenheit auf der anderen Seite, werden wir plötzlich zu einem hilflosen Goldfisch im Online-Haifischbecken. Wir werden empfänglich für kuriose Coaching-Angebote, unrealistische Erfolgsversprechen und jedes x-beliebige Online-Tool. 

Wir suchen nach Erklärungen, warum es scheinbar bei allen anderen so grandios und easy läuft, nur bei uns einfach nicht klappen will.
Und selbstverständlich bekommen wir ohne Ende Antworten auf diese Frage. Denn der ein oder andere Coaching-Fuchs da draußen hat es sich tatsächlich zur Strategie gemacht, unsere Ängste und Unsicherheiten in dieser Richtung zu triggern.

Uns genau da zu treffen, wo unsere Zweifel eh schon laut sind und uns zu erklären, dass er oder sie die Lösung für all unsere Probleme hat.
Wir brauchen also wieder nur den einen Online-Kurs, die eine Strategie oder das mega coole Hochpreis-Coaching für unseren lang ersehnten Durchbruch. Und wenn du es dir nicht leisten kannst (oder möchtest), wird dir plötzlich ein offizielles "Mindset-Problem" suggeriert! 

Wie kannst du dich vor all dem schützen?

Nicht falsch verstehen. Ich will ganz und gar nicht behaupten, dass es nicht auch richtig gute Coaches da draußen gibt. Sinnvolle Online-Kurse, gute Webinare und interessante Strategien. Eine/n gute/n Berater/in erkennst du meiner Meinung nach übrigens daran, dass er/sie dich darin unterstützt, deinen ganz individuellen Weg zu finden, statt dich in eine Schablone mit der angeblichen "Erfolgsstrategie XY" zu pressen.

Ich möchte dich dazu animieren, deinen Verstand, dein Bauchgefühl und deine Intuition nicht abzuschalten. Nichts von alldem ungefiltert aufzunehmen. Auch das hier nicht. Nur du allein kannst am Ende wirklich entscheiden, was zu dir, deinem Business und deiner Zielgruppe passt. 

Ich bin der Meinung, dass es neben deiner eigenen Intuition nur eine Sache gibt, die dir dabei wirklich helfen kann: 

Der Anspruch, die Dinge wirklich zu verstehen!

Bevor du irgendwelche Tools und Kanäle integrierst, solltest du wirklich verstanden haben, wofür sie gut sind, wie sie funktionieren und was sie langfristig für dich tun sollen. 

• Bevor du dir eine virtuelle Assistenz ranholst um Prozesse und Tools abzugeben, solltest du sie erstmal selbst verstanden haben.
• Bevor du beginnst 3 weitere Social Media Kanäle zu bespielen, solltest du für dich klären, ob das wirklich zielführend ist.
• Bevor du das nächste coole Tool ausprobierst, solltest du einmal in dich gehen und ehrlich schauen, ob du grade mal wieder dabei bist, den nächsten Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen und dich vom Wesentlichen abzulenken.  

Erst wenn du die Dinge wirklich verstehst bist du in der Lage, selbst entscheiden zu können, was zu dir und deinem Business passt. 
Du behältst (oder bekommst) die Kontrolle über dein eigenes Unternehmen und bist der Informationsflut nicht mehr hilflos ausgeliefert. 

6 Gedanken zu „Die kuriose Welt der Online-Unternehmer:innen“

  1. Danke für deinen Text, der hat gerade sehr gut getan und war eine wertvolle Erinnerung daran, bei mir zu bleiben und nicht auf jeden vorbeifahrenden Online-Marketing-Zug aufzuspringen.
    Liebe Grüße!

  2. Auf den Punkt, liebe Christina. Fühle mich auch ertappt ??. Danke für die Erinnerung. Aber der Podcast ist wirklich my way und der Kurs bei Dir war eine sehr gute Investition. Am 14.11. geht es los. ????? Liebe Grüße Susanne

    • Sehr schön 😀 Ich freu mich riesig für dich wenn dein Podcast an den Start geht!
      Aber auch hier war es wichtig zu checken, ob es wirklich das richtige Medium für dich und deine Zielgruppe ist. Und ja, ich denke auch dass es das ist. 🙂

  3. Liebe Christina, super auf den Punkt gebracht. Nicht auf jeden Zug aufzuspringen ist etwas, was ich in den letzten Jahren auch erst „erlernen“ musste. Gerade, wenn man neu im Business ist. Mittlerweile habe ich nicht das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben oder das etwas fehlt, sondern kann gut mit dem gehen, was da ist und schauen, was als nächstes sinnvoll wäre. Wie zum Beispiel mein Podcast, zu dem Du mich so toll unterstützt und begleitest … 🙂

    • Liebe Susanne, vielen Dank für deine Rückmeldung und das nette Feedback!
      Und ja, wir sollten uns die Elemente, Tools und Kanäle herauspicken, die zu uns und unserem Business passen. Nur dann geht es leicht und ist authentisch.
      Lieber weniger Kanäle bespielen und die dafür richtig gut! Und dein Podcast wird so richtig gut! 🙂

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